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Schwierige Kindheit  

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(@lonson)
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Ich bin 38 Jahre alt und leide, seit ich denken kann, unter Ängsten. Meine Mutter machte mir Angst und enormen Druck. Mit 3 Jahren musste ich einmal alleine zu Hause bleiben. Ich hatte schon früh das Gefühl nicht geliebt zu werden, nicht verstanden zu werden. Meine gesamte Schulzeit war von Beginn der ersten Klasse an von Angst geprägt. Als ich 9 Jahre alt war, durfte ich in der Nacht, als mein Brüderchen geboren wurde, auf meine kleine Schwester, 1 1/2 Jahre alt, aufpassen. Dadurch war ich in die Mutterrolle gerutscht. Von da an wurde alles noch anstrengender. Ich fühlte mich mit all den Aufgaben und Anforderungen, für meine Geschwister da zu sein, meine Mutter zu unterstützen und möglichst gut in der Schule zu sein, immer wieder überfordert. Sätze wie "hach, dass du immer so sensibel sein musst", "heul nicht schon wieder", "stell dich nicht so an" gaben mir das Gefühl, das ich selbst falsch war, nicht gut genug war und meine Aufgaben, mein Leben nicht richtig hinbekam. Ich fühlte mich immer mehr allein gelassen, einsam, hilflos, ängstlich, überfordert, gehetzt, wertlos, traurig, unsicher und voller Schamgefühle. Nach meiner Schulzeit wollte ich nur noch weg von "zu Hause", endlich in ein selbstbestimmtes, erfülltes, eigenes Leben. Was ich damals noch nicht wusste - all die Probleme, Gefühle, automatisierten Muster und Bewältigungsstrategien zogen mit mir mit. Ich wurde magersüchtig, hatte endlich das Gefühl, die Kontrolle über mich und meinen Körper zu haben. Ich wusste, dass es ungesund war, fühlte mich aber endlich hübsch und stark. Es ging mir einige Zeit besser, doch nach nur wenigen Jahren bekam ich Bauchschmerzen, die so stark waren, dass ich ab dem Mittag oft schon im Bett lag. Ich kämpfte weiter, es hieß "mit einem Reizdarm kann man leben, das ist nicht gefährlich." Wieder ein paar Jahre später kamen Schlafstörungen dazu. Ich versuchte es mit pflanzlichen Mitteln, die nichts brachten. Irgendwann schluckte ich das erste mal chemische Mittel, um mal wieder erholsamen Schlaf zu finden. Eine zeitlang half mir das, bis mein Verlobter mich verlassen hatte, ich überhaupt nicht mehr in den Schlaf fand und ich mit der Diagnose Depression, krank geschrieben wurde.

Ich war 30 Jahre alt, als ich mich 2012 in Therapie begab. Ich hatte keine Kraft mehr. Ich kam das erste mal in eine Klinik, dachte, "wenn ich alles perfekt mitmache, dann geht es mir danach richtig gut." Dem war leider nicht so. Ich war noch weitere 7 mal in einer Klinik, hatte dazwischen ambulante Therapien, probierte unzählige Medikamentenkombinationen mit teilweise heftigen Nebenwirkungen aus, ging zur Hypnose, zur Akupunktur, in Selbsthilfegruppen, las Bücher, stellte meine Ernährung um, machte Sport und alles, was ich in den unzähligen Therapien gehört hatte, was gut sein sollte, was aus Angst und Depression heraushelfen sollte. Doch mir half das alles nicht weiter. Anstatt das es mir besser ging, ging es mir immer schlechter. Ich wusste überhaupt nicht mehr, was gut für mich war, was ich brauchte, was ich wollte. Ich machte nur noch, was mir "aufgetragen" wurde. All die alten Gefühle der Einsamkeit, Hilflosigkeit, Angst, Anspannung, Wertlosigkeit, Schuld, Verzweiflung, Überforderung, Traurigkeit, innere Unruhe, Getriebenheit wurden immer größer und stärker. Der Reizdarm, die Verspannungen, Schlafstörungen, Grübelzwang und Perfektionismus bestimmen mein Leben. Ich merkte, dass ich weit weg von einem selbstbestimmten, erfüllten, eigenen Leben war.

Nach 8 Jahren verzweifeltem kämpfen, in denen es immer wieder schlimmste Phasen gab, in denen ich keinen Sinn mehr im Leben gesehen hatte, kam ich 2020 zu Herrn Schraps. Obwohl ich so enttäuscht und hoffnungslos war, wollte irgendetwas in mir einen letzten Versuch wagen. Die Sitzungen selbst empfinde ich als anstrengend und gleichzeitig angenehm, weil sich Anteile in mir endlich gesehen, angenommen und verstanden fühlen. Meine letzte Sitzung, in der ich gegen das Ungeheuer kämpfte, welches mich mein Leben lang wie in einem Käfig gefangen und klein hielt, war besonders hart. Es wollte und wollte einfach nicht verschwinden. Doch Herr Schraps unterstützte mich: "Ihr ganzes bisheriges Leben hatte dieses Monster Sie im Griff, wollen Sie, dass es so weiter geht? Nein? Also dann kämpfen Sie weiter!" Ich verspürte Schwindel, Ohnmacht, das Gefühl, es nicht zu schaffen, doch mit der Hilfe von Herrn Schraps wuchs ich und das Monster wurde kleiner. Ich kann mich gar nicht mehr genau an die Sitzung erinnern, mir kommt es vor, als wäre ich wie in Trance gewesen. Die Angst, dass das Ungeheuer die Macht über mich zurück gewinnt, ist immer noch da und ich fühle mich noch ziemlich unsicher. Doch obwohl ich nicht daran glaubte und erst 7 Sitzungen bei ihm hatte, merke ich, dass sich etwas in mir zum Positiven verändert. Mir geht es noch nicht richtig gut, ich kann auch noch nicht wieder arbeiten gehen, was nach so langer Leidenszeit auch noch seine Zeit braucht, doch ich spüre wieder Hoffnung und Zuversicht auf ein besseres Leben.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 16/06/2020 12:23 pm
(@he_schra-ad)
Estimable Member

Kommentierung durch HSchraps folgt...- Fettschrift

 

Ich bin 38 Jahre alt und leide, seit ich denken kann, unter Ängsten. Meine Mutter machte mir Angst und enormen Druck. Mit 3 Jahren musste ich einmal alleine zu Hause bleiben. Ich hatte schon früh das Gefühl nicht geliebt zu werden, nicht verstanden zu werden. (das innere Prtägungssystem lernt: "Ich bin unwichtig, wertlos, habe keinen HALT - daraus entsteht das fehlerhafte Gefühlsfundament des Lebens")

Meine gesamte Schulzeit war von Beginn der ersten Klasse an von Angst geprägt. (erweiterte Prägung und Verstärkung - Bestätigung : Ich bin nicht gut genug... o.ä.)

Als ich 9 Jahre alt war, durfte ich in der Nacht, als mein Brüderchen geboren wurde, auf meine kleine Schwester, 1 1/2 Jahre alt, aufpassen. Dadurch war ich in die Mutterrolle gerutscht. Von da an wurde alles noch anstrengender. Ich fühlte mich mit all den Aufgaben und Anforderungen, für meine Geschwister da zu sein, meine Mutter zu unterstützen und möglichst gut in der Schule zu sein, immer wieder überfordert. (..aber es wurde gemacht, denn das Kind will der Mama ja gefallen um ggf. etwas LIEBE und Wertschätzung zu erhalten...)

 

Sätze wie "hach, dass du immer so sensibel sein musst", "heul nicht schon wieder", "stell dich nicht so an" gaben mir das Gefühl, das ich selbst falsch war, nicht gut genug war und meine Aufgaben, mein Leben nicht richtig hinbekam. (...mit diesen Sätzen wurde das fehlerhafte Gefühlsfundament immer wieder vertieft und verstärkt bzw. stabilisiert...)

 

Ich fühlte mich immer mehr allein gelassen, einsam, hilflos, ängstlich, überfordert, gehetzt, wertlos, traurig, unsicher und voller Schamgefühle. Nach meiner Schulzeit wollte ich nur noch weg von "zu Hause", endlich in ein selbstbestimmtes, erfülltes, eigenes Leben. Was ich damals noch nicht wusste - all die Probleme, Gefühle, automatisierten Muster und Bewältigungsstrategien zogen mit mir mit. Ich wurde magersüchtig, hatte endlich das Gefühl, die Kontrolle über mich und meinen Körper zu haben. Ich wusste, dass es ungesund war, fühlte mich aber endlich hübsch und stark. Es ging mir einige Zeit besser, doch nach nur wenigen Jahren bekam ich Bauchschmerzen, die so stark waren, dass ich ab dem Mittag oft schon im Bett lag. Ich kämpfte weiter, es hieß "mit einem Reizdarm kann man leben, das ist nicht gefährlich." Wieder ein paar Jahre später kamen Schlafstörungen dazu. Ich versuchte es mit pflanzlichen Mitteln, die nichts brachten. Irgendwann schluckte ich das erste mal chemische Mittel, um mal wieder erholsamen Schlaf zu finden. Eine zeitlang half mir das, bis mein Verlobter mich verlassen hatte, ich überhaupt nicht mehr in den Schlaf fand und ich mit der Diagnose Depression, krank geschrieben wurde.

Ich war 30 Jahre alt, als ich mich 2012 in Therapie begab. Ich hatte keine Kraft mehr. Ich kam das erste mal in eine Klinik, dachte, "wenn ich alles perfekt mitmache, dann geht es mir danach richtig gut." Dem war leider nicht so. Ich war noch weitere 7 mal in einer Klinik, hatte dazwischen ambulante Therapien, probierte unzählige Medikamentenkombinationen mit teilweise heftigen Nebenwirkungen aus, ging zur Hypnose, zur Akupunktur, in Selbsthilfegruppen, las Bücher, stellte meine Ernährung um, machte Sport und alles, was ich in den unzähligen Therapien gehört hatte, was gut sein sollte, was aus Angst und Depression heraushelfen sollte. Doch mir half das alles nicht weiter. Anstatt das es mir besser ging, ging es mir immer schlechter. Ich wusste überhaupt nicht mehr, was gut für mich war, was ich brauchte, was ich wollte. Ich machte nur noch, was mir "aufgetragen" wurde. All die alten Gefühle der Einsamkeit, Hilflosigkeit, Angst, Anspannung, Wertlosigkeit, Schuld, Verzweiflung, Überforderung, Traurigkeit, innere Unruhe, Getriebenheit wurden immer größer und stärker. Der Reizdarm, die Verspannungen, Schlafstörungen, Grübelzwang und Perfektionismus bestimmen mein Leben. Ich merkte, dass ich weit weg von einem selbstbestimmten, erfüllten, eigenen Leben war.

Nach 8 Jahren verzweifeltem kämpfen, in denen es immer wieder schlimmste Phasen gab, in denen ich keinen Sinn mehr im Leben gesehen hatte, kam ich 2020 zu Herrn Schraps. Obwohl ich so enttäuscht und hoffnungslos war, wollte irgendetwas in mir einen letzten Versuch wagen. Die Sitzungen selbst empfinde ich als anstrengend und gleichzeitig angenehm, weil sich Anteile in mir endlich gesehen, angenommen und verstanden fühlen. Meine letzte Sitzung, in der ich gegen das Ungeheuer kämpfte, welches mich mein Leben lang wie in einem Käfig gefangen und klein hielt, war besonders hart. Es wollte und wollte einfach nicht verschwinden. Doch Herr Schraps unterstützte mich: "Ihr ganzes bisheriges Leben hatte dieses Monster Sie im Griff, wollen Sie, dass es so weiter geht? Nein? Also dann kämpfen Sie weiter!" Ich verspürte Schwindel, Ohnmacht, das Gefühl, es nicht zu schaffen, doch mit der Hilfe von Herrn Schraps wuchs ich und das Monster wurde kleiner. Ich kann mich gar nicht mehr genau an die Sitzung erinnern, mir kommt es vor, als wäre ich wie in Trance gewesen. Die Angst, dass das Ungeheuer die Macht über mich zurück gewinnt, ist immer noch da und ich fühle mich noch ziemlich unsicher. Doch obwohl ich nicht daran glaubte und erst 7 Sitzungen bei ihm hatte, merke ich, dass sich etwas in mir zum Positiven verändert. Mir geht es noch nicht richtig gut, ich kann auch noch nicht wieder arbeiten gehen, was nach so langer Leidenszeit auch noch seine Zeit braucht, doch ich spüre wieder Hoffnung und Zuversicht auf ein besseres Leben.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 16/06/2020 8:09 pm
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