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Das 6-jährige Kind in mir - es leidet und ich ritze  

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(@callmedestiny)
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Guten Abend,
Ich weiß nicht, wie ich beginnen soll, also fange ich einfach mal an.

Ich bin jetzt seit einem Jahr bei Schraps, ich weiß nicht, wie viele Sitzungen ich hatte, spielte für mich aber auch nie eine Rolle wenn ich ehrlich bin.
Ich glaube, ich habe in mir drinnen mehr Abenteuer erlebt als draußen und Erfahrungen gesammelt, die ich vermutlich niemals gesammelt hätte. 

Ich habe angefangen mich kennenzulernen, neu kennenzulernen und ich bin immer noch dabei.

Aber heute war es anders. Ich habe meinen kleinen 6 jährigen Teil kennen gelernt.
Oder sagen wir einfach, ich saß dabei, während sie (dieser kleine 6-jährige Teil) mit Herrn Schraps über mich redete. Nicht nur ein paar Minuten. Der Teil erzählte auch generelle Dinge.

Ich hatte das Gefühl in einem falschen Film zu sitzen, wie krass ist das, wenn das 6 Jährige ICH mich eigentlich gar nicht kennen lernen möchte, weil ich ihr nicht gefalle, weil ich nicht "sie" bin?

Ich bin nicht das, was sie sich wünschte.

Dieses sechs Jährige Ich fühlt sich aber auch ziemlich alleine, wünscht sich halt, doch traut sich nicht, sich zu öffnen, nicht mal bei mir.
Das ist schon ziemlich komisch zu hören, dass mein kleines Ich sich nicht meinem jetzigen ich öffnen möchte, ich meine, schließlich sind wir doch eigentlich ein Team oder sollten eins sein?
Auf jeden Fall ging die ganze Stunde um sie und das war okay, aber es fühlte sich trotzdem komisch an, dass ich diesmal nur Zuschauer bin aber gleichzeitig auch nicht.
Ich saß da teilweise und kam aus dem Staunen nicht mehr raus.
Ich sah jede Bewegung und jede Trotzreaktion spürte ich.
Jedes gegen angehen fühlte ich.

Ich spürte ihren Druck. Meinen Druck.
Und als sie dann sagte, dass sie glaubte, sie wäre der Grund, weshalb ich mich so oft schnitt, musste ich schlucken.
Natürlich war das anders. Natürlich war es komisch zu wissen, weshalb ich mich jahrelang schnitt; weil sie gehört werden wollte.
Und das ist doch das, was die meisten wollen oder? Gehört zu werden.

Aber wie soll das klappen, wenn ich sie nicht höre?
Die einzige Möglichkeit die sie wohl fand war, uns zu verletzen. Ich möchte es aber nicht verletzen nennen, weil es jetzt für mich kein verletzen mehr ist! Es war ein Hilferuf. Es war eine Warnung.
Und jedes mal, wenn ich mich schnitt, fühlte ich mich wieder leichter. Besser.

Ich vermute jetzt einfach mal, weil ich ihr so am nächsten war. Weil ich so eine Bindung zu ihr hatte.
Zumindest für einen kurzen Moment, fühlten wir uns wie ein Team.

Ich war nie sauer auf sie, als ich das heute erfuhr, ich hab verstanden. Ich hab verstanden, dass sie alles dafür tun wollte, um mich zu schützen, denn wenn ich recht überlege, waren die Situationen wo ich mich Schnitt immer mit einer noch größeren Gefahr verbunden.
Wut kann blind machen. Und wenn ich vor Wut blind war, wäre ich vermutlich auch auf der einen oder anderen Schiene gewesen.
Aber wenn ich mich schnitt, sah ich wieder Licht am Ende des Tunnels und es ging weiter.

Natürlich möchte ich mich nicht weiter schneiden! Aber ich habe jetzt endlich das verstanden, was ich all die Jahre nicht tat.
Ich hab verstanden, wieso ich mich schnitt.

Und jetzt? Jetzt möchte ich mit ihr an uns arbeiten. Ich möchte mit ihr ein neues ich werden. Auch, wenn es Jahre dauern kann, bin ich bereit, mein Leben einmal komplett umzustellen um mit JEDEM Teil von mir im Einklang zu sein.

Ich weiß nicht, ob man mich versteht oder den Text nachvollziehen kann, doch ich glaube, wir alle hatten in unserem Leben einen Wendepunkt der schrie:,, Das ist das Leben! Und ich will es genießen egal wie viel Arbeit es auch sein mag!".

AntwortZitat
Veröffentlicht : 14/11/2019 10:02 pm
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